Vorläufiger Lehrplan für Numerik I
(Prof. Laszlo Erdos)
MOTTO
Wir versuchen (fast) alle Aspekte der wichtigsten
Aufgaben und Ideen
in der Numerik im ersten Semester (Numerik I) zu präsentieren.
Die meisten Details und vertiefte Verfahren kommen in zweitem Semester dran.
GRUND
Eine normale Sequenz der Numerikvorlesung
hat mindestens zwei Semester (an den meisten technischen Universitäten
gibt es vier Semester). Die Studienordnung für Hauptdiplom Mathematik
schreibt nur ein Semester Numerik als Pflichtveranstaltung
vor (für Wirtschaftsmathematiker als Wahlpflichtveranstaltung).
Ähnlich sieht der Physikstudiengang nur ein Semester vor.
Unseren Erfahrungen nach haben die meisten Studenten nur
Numerik I und nicht Numerik II gehört.
Persönlich halte ich dieses System für einen Fehler und meiner
Meinung nach sollte jeder Mathematikstudent Numerik I und II hören.
Der Grund ist dass die meisten unserer Diplomanden keinen Job in
der Wissenschaft sondern in der Industrie finden werden, und in diesen
Gebieten sind anwendungsorientierte Ausbildung (wie Numerik,
Programmierung oder Statistik) wertvoll.
Unabhängig von meiner persönlichen Meinung, ziehe ich
die Realität in Betracht und ich versuche einem
nicht-traditionellen Lehrplan zu folgen,
der es den Studenten ermöglicht,
einen größtmöglichen
Überblick
der Numerik schon in Numerik I zu bekommen.
Normalerweise enthält Numerik I die numerischen Methoden
von linearer Algebra, Interpolation und numerische Integration.
Numerik II enthält vertiefte Approximationsprobleme,
nichtlineare Probleme, Anfangswert- und Randwertsprobleme
von gewöhnliche Differentialgleichungen (GDG) und möglicherweise
etwas partielle Differentialgleichungen (PDG). Lineare
Programmierung und andere Optimisierungsprobleme
fallen meistens ausserhalb dieses Zeitraums.
In unserem Lehrplan weichen wir von diesen Traditionen ab:
- Wir werden die einfacheren Verfahren in (fast) allen oben genannten
Gebieten diskutieren.
- Wir werden einige Beweise auslassen oder auf Numerik II
verschieben. In anderen Beweisen betrachten wir nur einfachere Fälle.
Verzichterklärung (disclaimer): dies ist nur ein Plan.
Die aktuelle Vorlesung kann davon wesentlich abweichen.
Lehrplan
1. Einführung in die Numerik
- Wichtigkeit der Numerik, Beispiele
- Rechnerarithmetik
- Ursprung der numerischen Fehler. Kondition und Stabilität.
- Norm und Kondition einer Matrix
2. Interpolation
Numerische Integration
Direkte Verfahren zur Lösung linearer Gleichungssysteme
- Wiederholung der Theorie.
- Gauss Eliminationsverfahren, LR Zerlegung, Pivotisierung
- Cholesky Verfahren
- Householder und Givens Verfahren, QR-Zerlegung.
Lineare Ausgleichsprobleme
- Gauss Fehlerquadratmethode
- Wiederholung der Diagonalisierung.
Singulärwertzerlegung und Pseudoinverse. Bildkompression
- Numerische Methoden durch LR und QR-Zerlegungen
Iterative Methoden zur Lösung von Gleichungssystemen
- Fixpunktiteration im Fall der Kontraktion
- Bisektionsverfahren
- Newton Verfahren
- Jacobi und Gauss-Seidel Verfahren zur iterativen Lösung
der linearen Gleichungssysteme
Eigenwertsprobleme
- Wiederholung der Theorie. Störungstheorie des
Eigenwertes (Gerschgorin Kreise). Variatonsprinzip. Minimax Prinzip.
- Vektoriteration und Inverse Vektoriteration. Tricks
zur Eigenwertlokalisierung: Verlagerung (shift).
- Jacobi Verfahren
- QR Verfahren. Bisektion Method (oder Newton Verfahren)
für tridiagonale Matrizen nach dem
Hessenberg Verfahren für Tridiagonalisierung.
- QR Verfahren zur Singulärwertzerlegung mit ``chasing''
Anfangswertprobleme der GDG
- Wiederholung der Theorie
- Einschrittverfahren: explizite Euler, Runge-Kutta
und ihre Modifikationen.
Randwertaufgabe der GDG